Quellen und Vorbilder

zu Rabanus von Ravensburg

Die Geschichte ist ein Märchen, aber sie steht auf echtem Boden: Die Jahreszahlen, Namen und Orte stammen aus der Geschichte der Ravensburg und des Weinguts. Die Bilder folgen Vorlagen aus der Buchmalerei des Mittelalters. Hier steht, woher was kommt.

Die Geschichte

Kap.In der GeschichteHistorischQuelle
IRaban ist der zweite Sohn des Ravan von Wimpfen.Der Reichsministeriale Ravan von Wimpfen baut zwischen 1220 und 1222 mit seinen Söhnen Dieter, Ravan, Heinrich und Conrad „Ravans Burg“: Bergfried, Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Mauer mit Tor.Wikipedia
Burgenwelt
IRaban findet den Raben in einer Eiche über Sulzfeld.Sulzfeld wird 1075 im Hirsauer Codex zum ersten Mal genannt; die Burg liegt auf 286 m, gut 80 m über dem Tal.Wikipedia
IIDie gelbe Traube heißt Riesling; „in eine Urkunde kam er erst zweihundert Jahre später“.Die erste sichere Nennung des Rieslings stammt von 1435 aus der Kellerrechnung der Grafen von Katzenelnbogen in Rüsselsheim.Wikipedia: Riesling
II, IIIDie Reben kommen aus dem Kloster Maulbronn.Die Zisterzienser sitzen seit 1147 in Maulbronn; der Weinbau ist ihr wichtigster Erwerbszweig (Elfinger Weinberg).Wikipedia: Kloster Maulbronn
KuLaDig
IIIKalkstein voller Muscheln, gelber Löss.Die Lagen des Weinguts liegen auf Keuper, Kalk und Löss; Claus Burmeister: „Große Weine wachsen auf kalkigen Böden.“Weinguide BW 2021
III, VIRavans Burg, daraus Rabenspurc, daraus Ravensburg; der Rabe im Wappen.Als erstes Familienmitglied ist „Rabeno de Rabenspurc“ belegt (Rabeno = Rabe). Die Göler führen einen Raben im Schild, ein redendes Wappen.BLB Karlsruhe
Wikipedia
VI1247 teilt sich die Familie in drei Linien.Teilung in die Göler von Ravensburg, die von Mentzingen und die von Helmstatt.Burgenwelt
VI1251 kommt der Wein zum ersten Mal auf Pergament.Das Weingut Burg Ravensburg ist urkundlich seit 1251 belegt und zählt zu den ältesten Weingütern Deutschlands.VDP
Wikipedia
VIIMondschnitt und Hornmist; seit 2010 biologisch, seit 2014 biodynamisch, seit 2023 Demeter.So nennen es die Quellen des Weinguts; die Präparate der Biodynamie gehen auf Rudolf Steiners Landwirtschaftlichen Kurs von 1924 zurück.Meininger
VIIIBernhard Göler baut zur Festung aus, 1522 Reformation, 1525 zieht der Bauernkrieg vorbei, 1849 zieht der letzte Göler aus.Um 1425 ist die Familie fast ausgestorben; danach Ausbau zur Festung, Reformation 1522, Bauernkrieg 1525 ohne Schaden, 1849 letzter Bewohner, danach Steinbruch.Freizeitmonster
Wikipedia
VIIIEine Chronik nennt einen Ritter Rabanus als Gründer.Eine Chronik der Göler aus dem 17. Jahrhundert datiert den Baubeginn um 930 und nennt einen Ritter Rabanus als Bauherrn; die Forschung hält ihn für eine Legende.Wikipedia
VIIIDer Dicke Franz.Freiherr Franz Göler von Ravensburg (1701–1765), der Genuss sehr zugeneigt; nach ihm heißt die Lage „Dicker Franz“.Wikipedia
VIIIDer Husar mit den Reben in der Mütze.Benjamin Göler (1782–1834), Kommandeur des badischen Husarenregiments; nach ihm heißt die Lage „Husarenkappe“. Die Geschichte von den Reben in der Mütze ist Familienüberlieferung.wein.plus
VIIIClaus Burmeister wird 1995 Kellermeister und bleibt, als die Familie Jacklin übernimmt.Claus Burmeister verantwortet seit 1995 den Keller des Weinguts.Weinguide BW 2021
VIII„Auf jedem zweiten Rebstock wächst die gelbe Traube.“Der VDP nennt rund 50 % Riesling.VDP

Frei erfunden und als Märchen erkennbar sind der Rabe Rabanus und die Wirkung der gelben Traube, der Vertrag um die erste Traube, der Schmied und der Rabenhelm, der Baumeister und der Vogt, der Ritt nach Maulbronn und der Abt, der Kriegszug des Kaisers und der Tod Ravans im Feld, der Belagerer Eberhard und die Nacht des Rabanus, die zwei Rebzeilen, das vergrabene Horn und der alte Rabe als Kellermeister.

Belegt, aber umgedeutet: Die Göler-Chronik nennt tatsächlich einen Ritter Rabanus als Gründer der Burg. In der Geschichte ist er kein Mensch, sondern der Rabe. Der runde Bergfried der Erzählung ist in den Bildern quadratisch gemalt, wie der heutige Bergfried. Der Schnabelhelm mit Rosetten stammt aus dem Zeichen des Weinguts; historisch ist diese Helmform, die Hundsgugel, erst ab der Mitte des 14. Jahrhunderts belegt, also gut hundert Jahre nach Raban.

Noch zu klären

Stand der Recherche: November 2026. Alle Angaben sind vor dem Druck vom Weingut zu bestätigen.

Die Bilder

Das Etikett

Leitbild für die ganze Bildserie: der Rabenritter auf dem Pferd mit roter Decke, die Lanze mit dem orangen Wimpel, Goldgrund, schwarze Konturen und das geflochtene Band in Blau, Orange und Weiß als Rahmen. Jedes Bild soll wie eine weitere Seite aus derselben Bilderwelt wirken.

Codex Manesse

Die Große Heidelberger Liederhandschrift (Zürich, um 1300–1340) liefert den Figurenstil: schlanke, gelängte Figuren, Profilansichten, große Gesten, flache Farbflächen. Ihre Ritterbilder zeigen Wappen, Helmzier und Turnier, so wie sie der Rabe ernst nimmt.

Ottonische Buchmalerei und Bedeutungsperspektive

Goldgrund statt Himmel, und die Wichtigen sind groß: Hauptfiguren füllen das Bild, Burgen, Bäume und Hügel werden klein und zeichenhaft. Vorbild ist die Reichenauer Malerei um 1000, etwa das Evangeliar Ottos III.

Monatsbilder und Très Riches Heures

Die Arbeit im Weinberg folgt den Monatsbildern der Stundenbücher: Rebschnitt im März, Lese im September, darüber Kalenderbögen mit Mond und Sternzeichen. Aus diesen Kalendern kommen die Mondphasen im Bild vom Rebschnitt und der Mond als Lesefortschritt auf dieser Website.

Drolerien

In den Rändern gotischer Handschriften spielen Tiere ernsthaft Menschenrollen: Hasen jagen Jäger, Affen lesen die Messe, Schnecken kämpfen gegen Ritter. Aus dieser Tradition stammt der Humor der Bilder, in denen alle den Rabenritter völlig ernst nehmen, und die Randzeichnungen zwischen den Kapiteln.

Simultandarstellung

Mittelalterliche Bilder zeigen dieselbe Figur mehrmals in einem Bild, wenn eine Handlung an mehreren Orten spielt. So ruft der Rabe in der Nacht zugleich vom Bergfried, vom Turm und vom Tor.

Bauszenen mit Tretradkran

Bauszenen wie der Turmbau zu Babel zeigen in vielen Handschriften Gerüste, Leitern und den Tretradkran, naiv schräg ins flache Bild gestellt. Auf dem Arm des Krans steht beim Burgbau der Rabe mit dem Lot.

Diktatbilder

Autorenbilder zeigen, wie ein Schreiber festhält, was ihm eingegeben wird, etwa Hildegard von Bingen mit ihrem Schreiber Volmar im Liber Scivias. Bei der Urkunde von 1251 diktiert der Rabe und siegelt mit der Kralle.

Heraldik: das redende Wappen

Ein redendes Wappen spricht den Namen seines Trägers bildlich aus. Die Göler von Ravensburg führen den Raben im Schild: schwarzer Rabe auf silbernem Grund. Im Bild sitzt der Rabe dem Maler Modell.

Der Schnabelhelm

Der Helm des Raben folgt dem Zeichen des Weinguts: Schnabelvisier und fünf Rosetten als Helmzier. Die Form entspricht der Hundsgugel, der bevorzugten Ritterhelmform von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis etwa 1420.

Die Ravensburg als flaches Zeichen

Die Ravensburg

Eine Zeichnung der Burg in Sulzfeld ist die Vorlage für die Architektur: quadratischer Bergfried aus gelbem Sandstein, Palas mit steilem Dach, Mauer, Rundturm und Tor auf dem Rebhügel. In den Bildern wird daraus ein flaches Zeichen aus wenigen Flächen, wie die Burgen auf dem Etikett.